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Familienaufstellungen
 
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Die Praxis
 

Die Praxis

Eine Familienaufstellung kann als spontanes, interaktives Rollenspiel beschrieben werden. Dieses Rollenspiel ist von einem fähigen Therapeuten/in dirigiert. Unterhalb beschreibe ich nun den Standardvorgang. Hierbei muß bemerkt werden, daß jede Familiensituation individuell verschieden ist und der Therapeut/in deshalb nicht nach ein und dem gleichen Muster arbeiten kann. Und das ist das Schöne an der Arbeit bei Familienaufstellungen nach Bert Hellinger.

Wie es gemacht wird

Zuallererst ist es notwendig eine Gruppe von Menschen zur Verfügung zu haben*. Die Mindestzahl beträgt etwa 20 Teilnehmer, zu gleichen Teilen Frauen und Männer. Es ist nicht möglich eine Familienaufstellung mit den tatsächlichen Familienmitgliedern als Repräsentanten vorzunehmen, da diese ein vorheriges Urteil mit in die Arbeit herein nehmen würden. Die tatsächlichen Familienmitglieder glauben zu wissen wo der Hund in der Familie begraben ist, und könnten daher nicht offen und unbedacht an die Arbeit gehen. Und das ist wichtig: Würde nämlich der Therapeut den Familienmitgliedern glauben, würden sie ihn/sie an der Nase herum so weit weg wie möglich von dem wirklichen Problem führen. Wer will schon auf das Schmerzhafte in der eigenen Seele hingewiesen werden? Wenn es sich vermeiden läßt, würde ich keine Repräsentanten wählen, welche die Familie gut kennen.

*Wie überall bestätigt die Ausnahme auch hier die Regel. Ein Therapeut kann auch in einer Einzelsitzung- diesmal an Stelle von Repräsentanten mit Schuhen, Puppen oder anderen GegenstŠnden arbeiten und gute Erfolge erzielen. Die Limitation von Gegenständen ist natürlich, daß sie nicht sprechen können... Es ist auch klar, daß jedes Problem aufhört ein Problem zu sein, sobald es den betroffenen Personen wirklich bewußt geworden ist... dann brauchten wir keine weitere Therapie.

 

 

Die Aufstellung

Die Person die seine/ihre Familie aufstellt, wählt nun aus der Gruppe Repräsentanten für ihre Familienmitglieder. Für ein weibliches Familienmitglied wird eine weibliche Repräsentantin gewählt, für ein männliches Familienmitglied, ein männlicher Repräsentant. Die Repräsentanten werden nicht nach eventuellen physischen oder anderen Ähnlichkeiten mit der Person die sie zu vertreten haben, ausgesucht. Es ist ganz egal wer die Rolle spielt. Das Alter der Repräsentanten spielt dabei keine große Rolle, solange die Repräsentanten erwachsen sind. Es sind allerdings auch gute Erfolge mit Kindern erzielt worden. Sobald die Repräsentanten gewählt sind, werden sie vom Klienten in den Raum gestellt, so wie es seinem/ihren innerem Familienbild entspricht. Der Therapeut/in geht dann in mehreren Schritten und Interventionen an die Arbeit, und versucht die Familie wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Das funktioniert nicht immer, und für den Fall daß es nicht gehen sollte, wird die Aufstellung am bestmöglichen Zeitpunkt abgebrochen.

Währenddessen werden die Repräsentanten immer wieder gefragt, wie sie sich körperlich und geistig/emotional fühlen. An den Gefühlen und Reaktionen der Repräsentanten sieht der Therapeut welchen Weg er/sie einzuschlagen hat. Der Therapeut richtet sich also immer nach dem was IST, und nicht nach einem starren System.

Im "Anfangsbild" fühlen sich die Repräsentanten oft entweder an falscher Stelle plaziert, oder von unangenehmen Gefühlen geplagt. Das "Ziel" einer Familienaufstellung ist es also die Familie wieder in einen ausgeglichenen Zustand von Harmonie zu bringen, so daß jeder Repräsentant/in sich an seinem/ihrem Platz wohl fühlt.. Das heißt nicht, daß es immer zum "Happy End" kommt. Das End- Bild einer Familienaufstellung ist in den meisten Fällen ein sehr offensichtliches: die Repräsentanten lächeln sich gegenseitig an und freuen sich an der Gegenwart der restlichen Familienmitglieder.

Nun zu den Details einer Familienaufstellung:

Alle Teilnehmer werden vor Beginn der Gruppe gebeten, nicht mit Außenstehenden über das was sich in der Gruppe abgespielt hat zu sprechen. Bevor der Therapeut beginnt mit dem Klienten zu arbeiten fragt er/sie den Klienten einige Fragen bezüglich dessen/deren Familie.

1- War ein oder beide Partner vor der Heirat schon einmal verheiratet oder in einer festen Bindung?
2- Ist ein Familienmitglied (eventuell früh) verstorben?
3- Gab oder gibt es in der Familie schwere Krankheiten oder Unfälle?
4- Gab es in der Familie Schwerverbrechen?
5- Gibt es Tabus oder Familiengeheimnisse über die nicht gesprochen wird?

Der Therapeut erklärt den Repräsentanten, die eventuell noch nie an einer Familienaufstellung teilgenommen haben worum es geht und wie sie sich zu verhalten haben. Sie werden gebeten ihre Rolle so ernst wie möglich zu nehmen, und es wird ihnen klar gemacht, daß sie eine Rolle spielen, die mit dem Ende der Aufstellung beendet ist. Die Repräsentanten sollen verstehen, daß sie in ihrer Rolle die Gefühle der Person die sie vertreten, wahrnehmen. Es sind nicht die eigenen Gefühle, die hier aufwallen. Die Repräsentanten werden gebeten während der Aufstellung ihre Augen offen zu halten und den Anweisungen des Therapeuten zu folgen. Sie sollen die Aufmerksamkeit des Therapeuten auf sich lenken falls sie sich bewegen oder etwas sagen wollen.

 

Das Aufstellen der Repräsentanten

Die Repräsentanten werden die Mitte des Raumes geführt und nebeneinander aufgestellt, so daß der Therapeut und die Zuschauer wissen, wer wen repräsentiert. Während der Aufstellung soll der Klient ruhig und gelassen bleiben. Er nimmt nun die einzelnen Repräsentanten mit beiden Händen bei den Schultern und stellt sie in den Raum, so wie sie dem inneren Bild seiner/ihrer Familie entsprechen. Die Repräsentanten sollen nicht in bestimmte Körperstellungen gebracht werden. Z.B. wird der Kopf nicht in eine bestimmte Richtung, nach oben oder nach unten gedreht... Der Klient wird gebeten nicht groß über die Aufstellung nachzudenken, sondern sie aus dem Inneren heraus vorzunehmen. Sobald alle Repräsentanten aufgestellt sind, fragt der Therapeut den Klienten noch einmal ob das so entstandene Bild mit seinem inneren Bild übereinstimmt. Falls dem nicht so ist, macht der Klient noch ein paar Änderungen und dann geht es los.

Für den Fall, daß beide Partner anwesend sind, lässt der Therapeut erst einen Partner aufstellen und falls der andere Partner mit der Aufstellung nicht einverstanden ist, lässt der Therapeut den anderen Partner das Anfangsbild korrigieren. Erfahrungsgemäß ist die dramatischere Version näher an der Wahrheit. Sobald das Anfangsbild der Aufstellung steht, setzen sich der Therapeut und der Klient hin . Nun lassen sich das Bild entwickeln und lassen es auf sich einwirken.

Es ist schwer zu erklären was nun geschieht. Wenn man eine Familienaufstellung auf die oberhalb beschriebene Art und Weise vornimmt, geschieht etwas eigenartiges: es baut sich durch ein mysteriöses Energie- Feld eine Nachbildung der tatsächlichen Familie auf. Die Repräsentanten fühlen die Gefühle der Personen die sie vertreten. Das geht sogar bis zu körperlichen Symptomen, obwohl die Repräsentanten diese Symptome und deren Eigentümer gar nicht kennen.

Vor zwei Jahren stellte ich einmal meine Herkunftsfamilie hier in Japan auf. Der junge Mann der meinen Vater repräsentierte, wurde ihm während der Aufstellung immer ähnlicher, begann wie mein Vater zu sprechen und bewegte sich sogar wie er! Könnt ihr euch vorstellen wie ein 35 Jahre junger Japaner vor Euren Augen zu einem 80 jährigen Deutschen Herren wird? Das war eine tolle Vorstellung! Ein anderes Mal stellten wir dann Chetnas Herkunftsfamilie auf, und der junge Mann der ihren Bruder darstellte sah nach einer Weile ganz so aus wie er und benahm sich auch so. Als wir dem Repräsentanten dann nachher ein Bild von Chetnas Bruder zeigten, mußte er sehr lachen und sagte" Nun weiß ich warum ich mich vorhin so gefühlt habe"!

Selbst physische Gefühle werden so- für die Dauer der Aufstellung- übertragen. Vor einer Weile repräsentierte ich jemanden in einer Familienaufstellung der Probleme mit einem Bein hatte. Obwohl das vorher nicht zur Rede gekommen war, spürte ich es in der Aufstellung ganz stark und konnte kaum stehen!
Ein anderes Mal repräsentierte ich einen älteren Herren und fühlte einen ganz eigenartigen Herzrhythmus. Nachher stellten wir fest, daß der Herr einen Schlaganfall gehabt hatte. Man muß sich aber nicht sorgen, daß man durch so eine Aufstellung und die möglichen Krankheiten anderer zu sehr beeindruckt oder sogar krank gemacht würde. Diese Symptome sind nur sehr abgeschwächt fühlbar und verschwinden in dem Moment wo man nach Beenden der Aufstellung aus der Rolle herausgeht. Das erstaunliche ist, das jedermann/frau in der Lage ist in der Rolle eines Repräsentanten die Gefühle der zu vertretenden Person zu fühlen. Man muß dafür nicht hellsichtig oder ansonsten begabt sein.

Die Familiendynamik manifestiert sich

Ein paar Minuten nach dem Beginn der Aufstellung wird ein geübter Therapeut eine ziemliche klare Familien- Diagnose stellen können. Er oder sie wird sehen können wer in der Familie wem nah steht, wer wem nahe stehen möchte, und zwischen wem überhaupt nichts geschieht. Er wird auch sehen können wo sich die Liebe versteckt und wo sie fließt. Kurz und gut, die ganze Dynamik offenbart sich oft innerhalb weniger Minuten.

Das erste Bild einer Familienaufstellung ist oftmals unharmonisch und/oder konfus. Sollte das erste Bild zu schön sein, ist es oft- aber natürlich nicht immer so daß der Klient die Familie so aufgestellt hat um die Wahrheit zu verbergen. Aber selbst das hilft in den meisten Fällen nichts, denn die Reaktionen der Repräsentanten verraten ihre wahren Gefühle. Der Therapeut fragt nun alle Repräsentanten wie sie sich fühlen und läßt sich von diesen Gefühlen, von seiner Eingebung sowie von der Körpersprache der Repräsentanten, deren Atmung und Gesichtsausdruck etc, leiten.

Die Lösung

Durch passende Interventionen und Dialoge zwischen den Repräsentanten versucht der Therapeut die Harmonie in der Familie wierderherzustellen. Ist das entweder gelungen oder unmöglich wird die Aufstellung beendet.

Eine Familienaufstellung kann zwischen zehn und vierzig Minuten dauern. In einzelnen Fällen kann es auch schon einmal länger oder kürzer werden.





Frank Arjava Petter
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