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Familienaufstellungen
 
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Die Theorie
 

Die Theorie der Familienaufstellungen

 

Wo sich die Liebe verbirgt

Der Fokus in einer Familienaufstellung ist nicht das vom Klienten vorgebrachte Problem. Bert Hellinger sagt, daß die Psychotherapie dazu neigt die Probleme des Klienten durch die ständige Wiederholung und das Buddeln in der Wunde immer wieder zu verstärken anstatt sie zu lösen. In der Therapie wird nach Änderung verlangt. Man sucht nach dem Wurm im Apfel und will ihn herausziehen, zerhacken, in den Garten des Nachbarn werfen und so weiter und so fort. In der Arbeit mit Familienaufstellungen sucht der Therapeut nach der Liebe. Dieses ist eine Schatzsuche mit fast immer sicherem Erfolg. Und wenn die Liebe gefunden, anerkannt und gelebt ist, lösen sich alle Probleme in Wohlgefallen auf...
In allen Familien leiden die Familienmitglieder aus Liebe und nicht aus Boshaftigkeit. Ein Kind mag aus Liebe für seine Eltern krank werden um mit der eigenen Krankheit das Leiden der Eltern zu lindern. Oder ein Familienmitglied mag versuchen das Leiden eines schon verstorbenen Familienmitgliedes auf die eigenen Schultern zu nehmen. Ein Kind mag dem geliebten Großvater/Gro¤mutter aus Liebe ins Grab folgen wollen. Oder ein Kind mag einen früheren Partner eines Elternteiles repräsentieren, was die Familie gehörig durcheinander bringen kann. .

Die Rolles des Therapeuten

Es ist wichtig daß der Therapeut wenn auch nur scheinbar den Verlauf der Aufstellung reguliert. Ich benutze das Wort 'scheinbar' hier, weil der Therapeut eigentlich gar nichts tut. Er geht nur mit der Fluß der Dinge mit. Und je mehr er oder sie sich vom Fluß der Dinge tragen lässt, desto besser gelingt die Aufstellung.

Es ist eine wahre Freude Bert Hellinger bei der Arbeit zu zuschauen. Mir kommt er immer vor wie ein taoistischer Weiser der in völliger Übereinstimmung mit der Natur handelt: das Inbild von Harmonie und Mitte. Der Therapeut fährt am besten wenn er aus dem Bauch heraus, aus der inneren Mitte und der Stille seines Wesens her arbeitet, ohne etwas verändern zu wollen, ohne jemanden heilen zu wollen und ohne ein vorher abgestecktes Ziel erreichen zu wollen. Der Therapeut arbeitet mit dem was ist, mit dem wie sich das Leben in all seinen Facetten manifestiert. Sollte eine Familie durch die Aufstellung in einen Zustand von Harmonie zurückgeführt werden, ist das natürlich schön. Sollte es nicht möglich sein, muß man sich der Tatsache beugen. Manche Probleme sind eben nicht lösbar, beziehungsweise, die Lösung mancher Probleme liegt daran daß man ihnen ins Gesicht schaut... Ich werde das weiter unten noch genauer beschreiben.

Die Theorie des Familienstellens

Jeder Mensch ist ein Teil seiner Familie. Diese Familie funktioniert als ein kollektives System welches das Wachstum seiner individuellen Mitglieder entweder begünstigt oder behindert. Aber es kann nur harmonisch funktionieren, wenn jedes Familienmitglied den Platz und die Rolle in der Familie einnimmt die ihm gebührt. Perfekte Harmonie in der Familie ist nur dann möglich, wenn jedes Familienmitglied sich der Tatsache bewußt ist, daß er oder sie ein Teil einer größeren Ordnung ist, und seinen/ihren Familienverband ehrt, lebt und liebt. Bert Hellinger hat im Laufe vieler Jahre festgestellt, daß bestimmte Regeln in der Familie herrschen, ganz egal wo auf dieser Erde und in welcher Kultur sich eine Familie befindet. Das mag etwas altmodisch klingen, daher möchte ich diese Theorie unterhalb genauer erklären.

Vater und Mutter

Weil er die Familie nach außen hin repräsentiert steht der Vater meistens an erster Stelle in der Familienaufstellung. Das heißt nicht, daß er die einflußreichste Person in der Familie ist. Diese Rolle fällt meistens der Mutter zu. An zweiter Stelle in einer Aufstellung steht also die Mutter, an dritter Stelle das erste Kind, an vierter das zweite Kind und so weiter und so fort. Dies ist kein moralisches Weltbild, sondern eine Einsicht die sich in Tausenden von Familienaufstellungen auf der ganzen Welt immer wieder bestätigt.

Die Herkunftsfamilie und die Gegenwartsfamilie

Weiter wird unterschieden zwischen:

1- Der Gegenwartsfamilie Die Gegenwartsfamilie besteht aus dem Mann, der Frau, den Kindern- auch wenn diese schon gestorben oder totgeborenen sind. Eventuell können auch vorherige Partner der Eltern dazugehören(auch wenn diese schon gestorben sein sollten).

2- Der Herkunftsfamilie Die Herkunftsfamilie besteht aus den Eltern und alle Geschwistern, lebendig und/oder tot. Prinzipiell beginnt man immer mit der Familienaufstellung der Gegenwartsfamilie, weil das die Familie ist in der man hier und heute lebt. Sollten in der Herkunftsfamilie eines Klienten noch ungelöste Probleme in seine/ihre Gegenwartsfamilie herein wirken, kann man diese bald erkennen und sich darum in einer folgenden Aufstellung kümmern. Ich wage es zu behaupten, daß man mittels einer Familienaufstellung die Dynamik die innerhalb einer Familie herrscht, mit neunzig prozentiger Sicherheit innerhalb von zehn bis zwanzig Minuten aufdecken kann. Und nicht nur das: man sie in vielen Fällen auch so günstig beeinflussen, daß es zu einer Lösung der Probleme kommt.

Nichts in diesen zwei Systemen- der Gegenwartsfamilie und der Herkunftsfamilie- ändert sich jemals grundlegend. Dein Vater bleibt immer dein Vater, deine Mutter bleibt immer deine Mutter. Das gilt selbst wenn ein oder beide Elternteile sich neu verheiraten, oder sterben sollten. Und natürlich gelten die selben Regeln für die Geschwister: sie bleiben immer deine Geschwister, selbst über den Tod hinaus. Einmal ins Leben gerufen, lebt der Geist im Familienverband weiter... Solange dieses von allen Familienmitgliedern verstanden ist und so gelebt wird, herrscht in der Familie Harmonie. Wird aber entweder durch den(vielleicht frühen oder unerwarteten) Tod, oder durch Ausstoß (wegen eines Verbrechens oder Streites in der Familie) oder durch Vertretung( bei einer zweiten Heirat) ein Mitglied aus dem Familienverband ausgeschlossen, geht die Harmonie verloren. Ich werde nun ein Beispiel für den ersten Fall geben.

Der erste Fall: Der frühe Tod

Vor meiner Geburt hatten meine Eltern zwei Kinder: meine Schwester und meinen Bruder. Meine Schwester blieb leider nur einen Tag bei uns und starb aufgrund eines medizinischen Fehlers im Krankenhaus. Dann kamen mein Bruder und ich auf die Welt. Weil wir beiden unsere Schwester nie kennengelernt hatten, existierte sie für uns nicht, obwohl sie natürlich einen Platz in den Herzen meiner Eltern hatte. So hatten also mein Bruder und ich ein völlig unvollständiges Bild von unserer Familie. Mein Bruder wuchs in dem Wissen das älteste Kind der Familie Petter zu sein, auf.

Tatsächlich ist er aber das zweite Kind und hat nun Zeit seines Lebens eine Rolle zu erfüllen zu versucht, die ihm gar nicht zusteht. Bis ich im Jahre 1998 auf Bert Hellingers Arbeit stieß, war ich in dem Glaube gewesen, daß ich ein Kind von Zweien sei. Das änderte sich nun ganz plötzlich, als ich meine Schwester Cornelia für mich entdeckte. Im Frühjahr 1999, 43 Jahre nach Ihrem Tod stand ich am Grab meiner Schwester und weinte wie ein kleines Kind. Ich hatte nicht erwartet, daß ich von solch einer Welle von Gefühlen mitgerissen werden würde, und die offene Wunde in meinem Herzen mit der ich 38 Jahre lang durch das Leben gelaufen war, löste sich in Liebe auf. Zu meinem großen Glück hatten die Behörden das Grab meiner Schwester bis sechs Monate nach meinem Besuch dort stehen gelassen, so daß ich mich in Liebe und Dankbarkeit vor Ihr verbeugen konnte. Einmal geboren, sagt Bert Hellinger, ist und bleibt ein Kind für immer ein Mitglied der Familie.

Der zweite Fall: Ausstoß aus dem Familienverband

Es ist sehr verbreitet, daß ein Familienmitglied aufgrund eines Verbrechens, einer Krankheit, oder eines Streites unter den Familienmitgliedern aus der Familie "verbannt" wird. Diese Familienmitglieder verschwinden aber nur oberflächlich von der Bildfläche. Energetisch bleiben sie allerdings Teil der Familie. Diese Dynamik ist den übrig gebliebenen Familienmitgliedern in den meisten Fällen unbewußt. In einer Familienaufstellung wird also ein ausgestoßenes Mitglied wieder in den Familienverband aufgenommen, falls er oder sie seine/ihre Rolle nicht restlos verspielt hat.

Der dritte Fall: "Austausch" durch einen neuen Elternteil

Es ist natürlich, daß Stief, Pfflege- oder Adoptiveltern versuchen die tatsächlichen Eltern oder den tatsächlichen Elternteil mit ganzem Herzen zu ersetzen. Dies ist allerdings ein gefährliches Unterfangen, denn die leiblichen Eltern können durch niemanden ersetzt werden.

 

Die große Seele

Das schwächste Glied der Kette bricht immer zuerst. In einer Familie ist das entweder ein Kind oder eine charakterschwache oder anderweitig kranke Person. Bert Hellinger differenziert in seiner Arbeit zwischen dem Individuum und dessen freien Willen, der Familie und der "großen Seele". Diese große Seele entscheidet im Endeffekt ob wir leben oder sterben, nach links oder nach rechts gehen. Man könnte diese Prinzip auch das Schicksal nennen. Und das Schicksal ist größer als wir. Wir können uns ihm nicht entziehen. Es obliegt nicht unseren Moralvorstellungen von gut und böse, Recht und Unrecht, Leben und Tod. Das Schicksal ist einfach so wie es ist, ob wir es mögen oder nicht. Wenn ein Erdbeben ein Dorf vernichtet und achtzig von dessen hundert Bewohnern in den Trümmern umkommen, fragt man sich warum gerade die Überlebenden zwanzig gerettet werden und die anderen sterben mussten. Warum stirbt einer von zwei Brüdern an Krebs obwohl der andere bis zu seinem Hundertsten Geburtstag trinkt und raucht wie ein Schlot? Manche von uns werden in ein gemachtes Bett hereingeboren, andere müssen ihr Leben lang leiden. Da ist das Schicksal am Werk. Bitte versteht mich nicht falsch. Ich meine nicht, daß man sich einfach zurücklehnen kann oder soll, damit das Leben seinen Lauf nimmt. Der große Geist verlangt von uns, daß wir alles geben was wir haben, daß wir alles was wir anpacken mit ganzem Herzen tun. Nur das Endresultat haben wir nicht in der Hand. Die göttliche Gnade läßt sich von keiner Kraft der Welt manipulieren.

Die Ordnung in der Familienaufstellung

Wie ich oberhalb schon erwähnte, gibt es in der Familie eine bestimmte Ordnung gegen die sich kein Familienmitglied ohne negative Auswirkungen auflehnen kann. In einer Familienaufstellung manifestiert sich diese Ordnung physisch folgendermaßen: Im Endbild einer Familienaufstellung steht normalerweise der Vater auf der rechten Seite seiner Frau. Neben ihr- auf ihrer linken Seite- steht das älteste Kind und daneben folgen die anderen Geschwister in Reihenfolge nach ihrer Geburt. Es ist auch möglich, daß die Kinder den Eltern in dieser Reihenfolge gegenüber stehen. Entweder auf die Eltern oder von ihnen in Blickrichtung weg gerichtet. Wenn die Lösung gefunden ist, kann der Therapeut den Repräsentanten durch den Klienten ersetzen um ihm mit dem neuen Familiengefühl vertraut zu machen. Dieses ist für die Klienten ein oft sehr emotionales Erlebnis.

Das Endbild

Sobald der Therapeut überzeugt ist, daß jedes Familienmitglied an seinem/ihrem richtigen Platz steht, und alle Repräsentanten zufrieden sind, ist die Aufstellung beendet. Dir Repräsentanten werden nun gebeten aus ihren Rollen zu gehen und wieder sie selbst zu sein. Oftmals werden sie nochmals daran erinnert die Erfahrungen in der Gruppe nur mit anderen Gruppenteilnehmern zu teilen. Auch schlägt Bert Hellinger vor, nach dem Abschluß einer Familienaufstellung- auch wenn die Versuchung groß ist- nicht sogleich über das Vorgefallene zu reden. Durch zu viel Gerede kann einer Aufstellung die Kraft genommen werden. Es ist offensichtlich, daß nicht immer eine Lösung gefunden werden kann. Und es verlangt Klarheit und Stärke des Therapeuten eine auswegslose Situation als solche zu sehen und zu akzeptieren. Dann muß die Aufstellung ohne Lösung so graziös und respektvoll wie möglich abgebrochen werden.

Es gibt Situationen in denen ein Therapeut keinen Schritt weiter gehen darf, auch wenn er oder sie aus der Güte seines Herzens gerne tun würde. Dies geschieht oft in Aufstellungen bei Eheproblemen. Es ist manchmal offensichtlich wenn eine Ehe nicht mehr zu retten ist. Und dann gibt es nur einen folgerichtigen Schritt: die Trennung!

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