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Reiki -- Ein Schritt in die richtige Richtung
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Reiki -- Ein Schritt in die richtige Richtung

Reiki ist ein Schluessel, der fuer viele Menschen die Tuer in die spirituelle Dimension oeffnet. Das "Problem" dabei ist bloss, dass man meist noch beim Aufsperren nicht weiss, was sich hinter dieser Tuer verbirgt: Engel oder Gespenst? Wahrscheinlich ist es fuer jeden von uns eine gesunde Mischung von beiden. Das Leben ist eben in seinem Reichtum von der menschlichen Moral und dem menschlichen Wunschdenken voellig unabhaengig. Wachstum bedeutet immer Leiden, und ohne zu leiden kommen wir auf unserem Weg nicht vorwaerts. In diesem Sinne sind wir noch immer wie Kleinkinder, die sich erst einmal verbrennen muessen...

Aller Anfang ist harmlos

In meinem Fall fing alles ganz harmlos an. Ich lernte Reiki, kurz nachdem ich mit meiner Frau eine Sprachschule in Nordjapan eroeffnet hatte. Es war unser Traum, eine eigene Schule zu haben -- vielleicht, um die schlechten Erinnerungen aus meiner eigenen Kindheit zu loeschen... Die Schule sollte sich innerhalb von drei oder vier Jahren selbst tragen, sodass wir uns dann irgendwo an einem verlassenen Strand zur Ruhe setzen konnten. Aber wir hatten die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Der grosse Wirt hatte etwas anderes als Ruhe am idyllischen Strand fuer uns geplant: Die naechsten Jahre wurden eine Achterbahnfahrt- ohne Sicherheitsgurt.

Schreiben -- mein alter Traum

Ich wollte gar kein Reiki-Lehrer werden, sondern freute mich einfach an der Energie und der durch sie vermehrten Lebensqualitaet. Dass ich einmal ein Reiki-Autor werden wuerde, hatte ich damals nicht fuer moeglich gehalten. Zwar hatte ich schon als kleiner Junge immer davon getraeumt, einmal wie mein Urgrossvater Buecher zu schreiben, aber tatsaechlich gerechnet hatte ich damit beim besten Willen nicht. Je mehr Zeit aber ins Land ging, desto mehr draengte sich Reiki mit sanfter Kraft in den Vordergrund unseres Daseins. Anfangs versuchte ich noch, die Reiki-Kraft zurueckzudraengen, aber irgendwann gab ich es auf und ergab mich dem unbaendigen Strom.

Meditation und Reiki

Ich meditierte zu der Zeit sehr intensiv, und die Mischung von Reiki und Meditation schien mir gut zu tun. Etwa ein Jahr nach der Meistereinweihung oeffnete sich die Tuer zu meiner Kreativitaet und das Leben richtete sich einmal mehr in eine voellig unerwartete Richtung aus. Mein erstes Buch ruettelte die damals voellig verstrittene Reiki-Szene kraeftig durcheinander, und ich sah mich ploetzlich als Sprachrohr fuer eine neue Reiki-Bewegung eingespannt. Das war mir gar nicht so lieb und nach den ersten sehr negativen Reaktionen auf das Buch - der erste Drohbrief kam von der Chefetage der Reiki Allianz in Cataldo, USA --, wollte ich eigentlich sofort das Reiki-Handtuch schmeissen. Eine zweite Runde konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Aber statt "Handtuch schmeissen" kam dann "Handbuch veroeffentlichen." Durch einen Zufall hatten wir das Handbuch des Reiki Gruenders Mikao Usui in die Haende bekommen, und wir beschlossen, dass wir nicht darauf sitzen bleiben wollten. Warum sollten wir dieses Privileg fuer uns selbst behalten? So wichtig waren wir nun auch wieder nicht. Obwohl ich zu geben will, dass mein erster Gedanke nach Erhalt dieses Manuskriptes tatsaechlich gewesen war: Nun habe ich etwas, das im Westen niemand hat. Wie kann ich diesen Schatz fuer mich alleine behalten... Ein paar Minuten spaeter hatte sich zum Glueck die Machtgier in meinem Herzen aufgeloest, und ich rief meinen Verlag an. Das, versicherte ich meiner Verlegerin, sei aber endgueltig das letzte Reiki-Buch, das ich schreiben werde. Ich wolle mein eigenes Leben leben, meine eigene Sache machen, sagte ich ihr. Und damit zieht sie mich heute noch auf.

Schon wieder ein neues Buch

Denn ein paar Monate spaeter wurde mir wieder ein Findelkind vor die Haustuer gelegt. Und wer hat schon das Herz, ein so suesses Findelkind auf der Matte verhungern zu lassen. Eine Weile zappelte ich noch wie ein Fisch an der Angel, wand und wehrte mich, aber dann sah ich es doch ein: Ich musste mich dem Leben beugen, und das tun was mir zu tun gegeben war.

Dem Strom des Lebens hingegeben.

Unser Haus in Sapporo liegt am Stadtrand, am Fusse der Berge, direkt an einem ruhig dahinplaetschernden Fluesschen. Im Fruehjahr jeweils verwandelt sich das sanfte Rauschen allerdings in ein roehrendes Donnern. Eines Tages sah ich auf einem Spaziergang zwei Wildenten, die gemaechlich auf dem reissenden Strom in die Zukunft trieben, als sei es das natuerlichste der Welt. Haben wir wirklich eine freien Willen, fragte ich mich. Ist unser Leben bis ins kleinste Detail vorausgeplant oder koennen wir unser eigenes Schicksal bestimmen? Ich kam mehr und mehr zu der Ueberzeugung, dass es purer Zufall ist, wenn unser Auto nach links faehrt, selbst wenn wir in diese Richtung gesteuert haben. Ein einziger Blick in den klaren Himmel sollte genuegen, um das zu verstehen: Wie unglaublich klein, unwissend und unwesentlich sind wir doch alle! Der kleinste Windstoss, die leiseste Frustration, und schon sind wir wie ein Blatt im Wind, den Gezeiten hilflos ausgeliefert. Und doch gibt es eine Wahl, die wir treffen koennen. Innerhalb unseres kleinen Entscheidungsrahmens haben wir die Freiheit, den einen oder den anderen Weg zum vorlaeufigen Ziel unserer Reise einzuschlagen. Natuerlich kommen wir am Ende doch immer nur zu dem uns vorgegebenen Ziel. Aber das ist immerhin ein kleine Freiheit! Die beiden Enten damals ueberzeugten mich. Ich konnte loslassen vom Ruder und stellte den Aussenbordmotor ab. Rollte das Segel zusammen und liess mich nach ihrem guten Beispiel treiben. Seit jenem Tag ist mein Leben eine Abenteuerreise ohne Ziel geworden.

Zwar habe ich mich noch immer nicht davon trennen koennen, Reiki-Buecher zu schreiben. Meine Frau lacht ihr fuer eine Japanerin ganz untypisches Lachen und sagt, dass Reiki mich (noch?) nicht entkommen laesst... Auch hoere ich meinen Freund Walter Luebeck trocken sagen: "Nun, Arjava, ein Dutzend bekommst du ja wohl noch voll." Und so sitze ich bereits wieder am Computer - mit Liebe und mit Dankbarkeit.

Man weiss nie wie es kommen mag

Mein Leben hat sich grundlegend anders entwickelt, als es (von mir) geplant gewesen war. Im Winter 1999 machten wir unsere Sprachschule zu, und seit damals verbringe ich die meiste Zeit unterwegs. Von wegen "pensioniert am Strand!!!" Das Wort Flughafen ist bei uns zu Hause zum Schimpfwort erkoren worden. Auch unsere Reiki-Praxis hat sich im Laufe der Jahre voellig modifiziert.

Reiki und Familienaufstellungen(mehr Info beim Hellinger Institut Japan)

Vor zwei Jahren stiessen wir auf die wundervolle Arbeit mit Bert Hellingers Familienaufstellungen. Wir hatten festgestellt, dass Reiki allein nicht alle Probleme loesen kann, besonders nicht diejenigen, die auf Disharmonie in Familien beruhen. Und wessen Familie ist schon mit Harmonie beschenkt? Es war uns im Laufe der Jahre klargeworden, dass ein Mensch, der mit seinen Eltern nicht in (innerem) Frieden lebt, niemals mit sich selbst gluecklich sein kann. Und wie wollten wir als Berater und Lehrer jemandem auf dem Reiki-Weg beistehen, der staendig mit seiner Herkunft - und so mit sich selber kaempft. Anstatt Englisch zu unterrichten, ist meine Frau inzwischen fast hauptsaechlich mit Familientherapie beschaeftigt. Und weil wir, wie das so geht, bei einem der Seminare von Bert Hellinger in der Schweiz die Bande zum REIKI INFO geknuepft haben, kommt es, dass ich heute diesen Bericht fuer euch schreibe. Dass dies zumindest vorerst die letzte Ausgabe dieser Reiki-Zeitschrift sein wird, tut mir leid. Ich habe aber gelernt, dem Leben zu vertrauen ohne zu hinterfragen, was und wofuer etwas gut sein koennte. Die Dinge sind einfach so wie sie sind, und in jeder Lebenssituation ist etwas zu lernen. Jeder Lebens-Schritt ist eine Ueberraschung...

Eine Reikilehrerin aus Kyoto

Die letzte groessere Reiki-Ueberraschung erlebten wir vor ein paar Monaten. Wir lernten C.Yamaguchi, eine bezaubernde japanische Schuelerin von Chujiro Hayashi kennen und wurden beide wieder zu Reiki-Schuelern. Im Juli 2000 machten wir eine Reiki-I- und Reiki-II-Ausbildung in Kioto -- und so schliesst sich der Reiki-Kreis. So sind wir wieder am Anfang unseres Reiki-Lernprozesses angekommen: als Schueler. Und so sehe ich mich selbst: als jemand der nach bestem Gewissen von allem lernt, was das Leben ihm eroeffnet. Ganz egal, ob das nun "angenehm" oder "unangenehm," "positiv" oder "negativ,", "geplant" oder "ungeplant" sein sollte. Im Endeffekt spielen die Attribute mit denen wir unsere Lebens-Erfahrungen einkleiden ueberhaupt keine Rolle. Deshalb -- und wenn sie nicht gestorben sind --, treiben meine Wildenten noch immer absichtslos im wilden Strom dem Meer entgegen...

Erschienen bei ReikiInfo, Schweiz




 

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